die welt nach tiepolo

Ensemble KNM Berlin & friends im Radialsystem


about

Die Welt nach Tiepolo

Mitte des 18. Jahrhunderts schuf Giovanni Battista Tiepolo für die Würzburger Residenz das weltgrößte Deckenfresco, auf dem er die damals vier bekannten Kontinente darstellte.
Fast dreihundert Jahre später vollendete der französische Komponist und Philosoph Hugues Dufourt seinen epochalen Zyklus „Apollon und die Kontinente“ zu diesem Kunstwerk.
In vier Sätzen AMERIKA, EUROPA, ASIEN und AFRIKA interpretiert Dufourt Tiepolos Fries nicht nur als ein Wunder der Licht- und Farbgestaltung, sondern zugleich als kritische Antwort auf die frühe Globalisierung und das europäische Projekt der Weltbeherrschung.
Das Ensemble KNM Berlin folgt in seiner vierteiligen Konzertreihe dem Blick Tiepolos und Dufourts auf unsere Welt. Es eröffnet einen interkontinentalen Begegnungsraum, indem es auf ein re-thinking von ALT und NEU, von Zentrum und Peripherie setzt. Gemeinsam mit Musikern und Komponisten aus Argentinien, Deutschland, England, Frankreich, Griechenland, Italien, Japan, Mexiko, Norwegen, Taiwan, der Schweiz, Spanien, Südafrika und den USA lädt das KNM Berlin ein, die Welt als mondiales Tableau mit historischen und neuen, exotischen und vertrauten, selbstgebauten und universellen Instrumenten zu erleben.

AMERIKA - 04.02.2017

Die Welt nach Tiepolo - Ensemble KNM Berlin & Friends
AMERIKA
Sa, 04. Februar 2017, 20:00 Uhr (Einführung 18:30 Uhr)
Radialsystem V
Im Rahmen des CTM Festivals

Die Welt nach Tiepolo

 CTM

Hugues Dufourt widmet sich Stück für Stück dem gigantischen Fresko. AMERIKA ist das zuletzt entstandene Werk. Die konsequente Modifizierung aller Instrumentalklänge führt zu hybriden, unbeständigen Verbindungen wie aus der Retorte. Die Instabilität des Klanges findet seine Entsprechung in den unbegreiflichen Farben Tiepolos. Jedoch nicht nur dort. Sie sind les- und hörbar als eine Zustandsbeschreibung der heutigen Welt.


Ensemble KNM Berlin
Ensemble LIMINAR (Mexiko)

18:30 Uhr, Saal
Martin Kaltenecker und Alexander Bruck führen in das Werk von Hugues Dufourt und Juliàn Carillo ein

20:00 Uhr, Halle
Julián Carillo: Preludio a Colón  1924/25
für Stimme, Flöte, Vierteltongitarre, Sechzehnteltonharfe und Streichquartett

Hugues Dufourt: L’Amerique d’après Tiepolo  2016 (Berliner Erstaufführung)
für Ensemble

Julián Carillo: Murmullos  1933 (Transkription: Alejandro Madrid)
für Sechzehnteltonharfe und Streichquartett

Juan Felipe Waller: Dreizehn Kontemplationen gegen eine Intervention des Schalls 2017 (Weltpremiere)
für Ensemble

Julián Carillo: Hoja de Album  1924 (Transkription: Ensemble LIMINAR)
für Flöte, Klarinette, Vierteltongitarre, Sechzehnteltonharfe und Violoncello

I think of you  1928 (Transkription: Wim Hoogewerf)
für Stimme, Flöte, Vierteltongitarre, Sechzehnteltonharfe, Violine, Viola und Octavina (Kontrabass)

James Tenney: Form 1  1993  
in memoriam Edgard Varèse für mindestens 16 Musiker

Ensemble KNM Berlin
Rebecca Lenton, Flöte | Gudrun Reschke, Oboe | Horia Dumitrache, Klarinette | Theo Nabicht, Kontrabassklarinette | Edouard Cambreling, Horn | Matthew Conley, Trompete | Florian Juncker, Posaune |Jack Adler-McKean, Tuba | Alexandre Babel, Schlagzeug | Frank Gutschmidt, Klavier | Theodor Flindell, Violine | Kirstin Maria Pientka, Viola | Cosima Gerhardt, Violoncello | N.N. , Kontrabass

Ensemble LIMINAR
Carmina Escobar, Stimme | Wilfrido Terrazas, Flöte | Mónica López Lau, Blockflöte/Paetzold | Antonio Rosales, Klarinette/Bassklarinette | Omar López, Saxophon | Carlos Gómez Matus, Sechzehntelton-Harfe | José Manuel Alcántara, Viertelton-Gitarre | Julián Martínez, Violine | Alexander Bruck, Viola | Jorge Amador, Violoncello

europa - 29.04.2017

Die Welt nach Tiepolo - Ensemble KNM Berlin & friends
EUROPA
Sa, 29. April 2017, 20:00 Uhr
Radialsystem V

Die Welt nach Tiepolo

Wie Antlantis scheint das EUROPA Tiepolos auf der Reise zur Entdeckung fremder Kontinente zum Verschwinden verurteilt zu sein. Nur aus einer einzigen Perspektive heraus gibt sich EUROPA dem Blick des Besuchers der Residenz preis. Die kühle Distanziertheit der Figuren und der Prunk des EUROPA-Frieses hinterlassen heutzutage einen bitteren Nachgeschmack.

Ensemble KNM Berlin
Ensemble KomboÏ

Hugues Dufourt: L’Europe d’après Tiepolo für Ensemble
James Saunders: we tell each other what to do but always listen to you für 2n+1 Spieler (DE)
Mark Andre: asche für fünf Instrumente
Ana Maria Rodriguez: Neues Werk (WP)für Oboe d’amore, Barocktrompete, Barockvioline, Viola da Gamba und electronics
Jani Christou: Anaparastasis III (Der Pianist)

asien - 24.06.2017

Die Welt nach Tiepolo - Ensemble KNM Berlin & friends
ASIEN
Sa, 24. Juni 2017,  20:00 Uhr
Radialsystem V

Die Welt nach Tiepolo

Dufourt entdeckt in Tiepolos ASIEN ein Gespenst von Geschwindigkeiten, Turbulenzen, schwankenden Räumen, verflochtenen Achsen und Schleifen. ASIEN ist bunt, lebendig und mit einer unbestimmten Zukunft. Zugleich eröffnen die Klänge dieses Kontinents eine religiöse Welt.

Ensemble KNM Berlin
Martin Riches, singing machine
Uz Azer, Stimme/Sitar
Wang, Ying-Chieh, Erhu

Hugues Dufourt: L’Asie d’après Tiepolo für Ensemble
Giacinto Scelsi: Manto für eine singende Viola-Spielerin
Fang-Yi Lin: Der Qualm aus dem fernen Land (WP) für Vokalisten, Sitar, Erhu und Ensemble
Masahiro Miwa: hitonokiesari
Introduction and Recital of a poem by Sadakazu Fujii für Singing Machine, Ein Ton and neun Spieler

afrika - 30.09.2017

Die Welt nach Tiepolo - Ensemble KNM Berlin & friends
AFRIKA
Sa, 30. September,  20:00 Uhr (Einführung 18:30 Uhr)
Radialsystem V

Die Welt nach Tiepolo

Tiepolos AFRIKA befindet sich bereits in den Händen der europäischen Räuber und Händler. Es wird von einem fahlen Licht beschienen, in dem man die Paradiese der ländlichen Kultur nicht mehr wieder erkennt. Dufourt übersetzt AFRIKA in ein Requiem, in ein Nachdenken über Zeit und Klangfarbe.

Ensemble KNM Berlin
Eklekto Geneva percussion center
Jonathan Berman, Dirigent


Saal 18:30 Uhr
Martina Seeber im Gespräch mit Georges Aperghis

Halle, 20:00 Uhr
Hugues Dufourt: L’Afrique d’après Tiepolo für Klavier und Ensemble
Kevin Volans: Akrodha für Schlagzeug solo
Lars Petter Hagen: Johannesburg Hymns
traditionelle Musik aus Uganda
Georges Aperghis: Triangle carré für Streichquartett und Schlagzeugtrio

Videos

Die Welt nach Tiepolo I - AMERIKA

 

Die Welt nach Tiepolo II - EUROPA

Die Welt nach Tiepolo III - ASIEN

Bilder von Tiepolo in der Berliner Gemäldegalerie und im Bode Museum

Die Welt nach Tiepolo

Gemäldegalerie/ Saal XII
Giovanni Battista Tiepolo
(1696-1770)
Das Martyrium der heiligen Agathe. Um 1755
Leinwand, 184 x 131 cm
Erworben 1878
Kat. 459 B

Tiepolo malte das Martyrium der Heiligen für den Hochaltar der Benediktinerinnen-Klosterkirche S. Agata in Lendinara bei Rovigo. Die hl. Agathe erlitt 251 in Catania ihr Martyrium. Nach Verhaftung und Folter wurden ihr vom Henker die Brüste abgetrennt. Im Kerker erschien ihr Petrus und heilte sie. Bei einer erneuten Folterung stürzte ein Teil des Gebäudes ein und begrub zwei Henker unter sich. In Catania brach ein Erdbeben aus. Nach einem Dankgebet, dass sie unversehrt geblieben war, starb die Heilige.
Während im Frühbarock mit Vorliebe ihre Heilung durch Petrus geschildert wurde, stellt Tiepolo das Martyrium Agathes dar. Auf den Stufen einer antikischen Architektur ist sie vor dem Henker zusammengesunken und blickt ergeben in die Höhe. Eine Dienerin bedeckt ihre verstümmelte Brust mit einem Tuch. Links trägt ein junger Mann die abgeschnittenen Brüste auf einem Tablett fort. Agathe vermittelt den Eindruck von ruhigem Gottvertrauen und Glaubensstärke.
Eine Radierung Giandomenico Tiepolos nach dem Bild seines Vaters zeigt, dass das Gemälde ursprünglich oben halbrund abschloss. In den Wolken über der Heiligen war deren Vision – das von der Dornenkrone umgebene flammende Herz Christi – zu sehen.
 © Staatliche Museen zu Berlin, Gemäldegalerie / Jörg P. Anders

Die Welt nach Tiepolo

Die Welt nach Tiepolo

Gemäldegalerie/ Raum 24
Giovanni Battista Tiepolo
(1696-1770)
Rinaldo und Armida im Zaubergarten
Rinaldos Abschied von Armida
Leinwand, 39 x 62 cm / 39 x 61 cm
Erworben 1908 / 1979
Kat. 459 D / 2000.1

Für Würzburg malte Tiepolo wohl 1753 zwei größere Bilder mit Darstellungen aus Torquato Tassos „Das befreite Jerusalem“ mit den gleichen Themen wie die Berliner Bilder. In dem Versepos schildert er die Belagerung und Eroberung Jerusalems während des ersten Kreuzzuges unter Gottfried von Bouillon im Jahr 1099. Ob die beiden Werke vorbereitenden Skizzen oder kleinere Wiederholungen sind, ist ungeklärt.
Im ersten Bild ist dargestellt, wie der Ritter Rinaldo den Reizen der Zauberin Armida verfällt. Im Hintergrund nähern sich die Ritter Carlo und Ubaldo, die aus dem Lager der Kreuzfahrer aufgebrochen waren, um ihn zu suchen.
In der zweiten Szene reißen Carlo und Ubaldo Rinaldo von Armida fort, um ihn zum Heer der Kreuzfahrer zurückzuführen.
© Staatliche Museen zu Berlin, Gemäldegalerie / Jörg P. Anders

Die Welt nach Tiepolo

Gemäldegalerie/ Raum 24
Giovanni Battista Tiepolo
(1696-1770)
Die Kreuztragung Christi. Um 1738
Eigentum des Kaiser Friedrich Museumsvereins
Erworben 1906
Kat. 459 C

Auf dem Weg nach Golgatha, dem Ort der Kreuzigung, sinkt Jesus beim Anstieg unter der Last des Kreuzes zusammen, das zwei Schergen mit Seilen vorwärts ziehen. Das Bild ist der Bozzetto, eine Skizze, für das große Mittelbild eines Passionstriptychons, das 1738-40 im Auftrag von Alvise Cornaro entstand. Cornaro hatte es der Kirche seines Namenspatrons in Venedig gestiftet.
© Staatliche Museen zu Berlin, Gemäldegalerie / Jörg P. Anders

Die Welt nach Tiepolo

Gemäldegalerie/ Raum 24
Giovanni Battista Tiepolo
(1696-1770)
Der hl. Rochus. Um 1730/ 35
Leinwand, 53 x 41,5, cm
Erworben 1931
Kat. 2079

Der heilige Rochus stammte aus Montpellier, wo er wahrscheinlich 1295 geboren wurde. Nach dem Tod seiner Eltern verschenkte er seinen Besitz an die Armen und machte sich auf die Pilgerschaft nach Rom. Dort pflegte er Pestkranke und soll sie alleine durch Bekreuzigen geheilt haben. Auf der Rückreise im Jahr 1320 befiel die Pest auch ihn. Der Legende nach schickte Gott einen Engel, der seine Wunden pflegte. Ein Hund brachte ihm jeden Tag Brot, bis sein Krankenlager im Wald entdeckt worden ist. Rochus gehört zu den Vierzehn Nothelfern, deren Fürbitte bei der Heilung von der Pest angerufen wurde. Der größte Teil seiner Gebeine wurde 1485 nach Venedig übertragen, wo man für ihn die Kirche S. Rocco erbaute.
Das Bild zeigt den  Heiligen als Pilger mit Pilgerstab und Pilgerhut, begleitet von seinem Hund.
© Staatliche Museen zu Berlin, Gemäldegalerie / Volker-H. Schneider

Die Welt nach Tiepolo

Bode-Museum / Raum 261
Giovanni Battista und Domenico Tiepolo (1696-1770 und 1727-1804)
Freskenzyklus aus dem Palazzo Volpato-Panigai in Nervesa, 1754.

Im Bode-Museum sind 22 Fresken zu sehen, die der Barockmaler Giovanni Battista Tiepolo zusammen mit seinem Sohn Giovanni Domenico 1759 für den Palazzo Volpato Panigai im norditalienischen Nervesa geschaffen hatte. Wilhelm von Bode kaufte sie, holte sie 1899 nach Berlin und ließ sie im Museum anbringen.
Die Villa, für die Tiepolo seine Wandbilder schuf, existiert längst nicht mehr. Das Tiepolo-Kabinett wurde im Zweiten Weltkrieg völlig zerstört. Die zuvor ausgelagerten Fresken und die venezianischen Renaissance-Decken galten lange Zeit als verschollen. Wiedergefunden im Keller des Pergamonmuseums, wurden sie nach ihrer Restaurierung an ihrem alten Platz angebracht. Lediglich auf der Grundlage eines einzigen Fotos war es den Museumsexperten gelungen, den ganzen Raum wiederherzustellen. Ein Juwel der Rokokozeit, das seit der Wiedereröffnung des Bode-Museums 2006 wieder die Besucher anzieht.
Das große achteckige Bild in der Mitte der Decke zeigt einen lorbeergekrönten alten Mann, der emporgetragen wird. Darum gruppieren sich vier Personifikationen  abwechselnd mit vier Darstellungen mythischer Riten. In den Ecken der Decke stellen die acht Zwickelbilder Satyrszenen dar. Über den Türen befinden sich jeweils zwei antikische Profilköpfe. An den Seitenwänden ist die Verfolgung von Daphne durch Apollo sowie von Syrinx durch Pan dargestellt.
© Staatliche Museen zu Berlin, Gemäldegalerie / Antje Voigt


„Die Welt nach Tiepolo“ ist ein Projekt des Ensembles KNM Berlin. Gefördert durch den Hauptstadtkulturfonds.
Mit freundlicher Unterstützung von Impuls neue Musik, des Goethe-Instituts und der Berliner Kulturverwaltung. In Zusammenarbeit mit Radialsystem V, CTM Festival, Secretaría de Relaciones Exteriores / México, Deutsch-mexikanisches Kulturjahr, Ensemble LIMINAR, Eklekto Geneva percussion center und Hochschule für Musik und Theater Hamburg, Institut für Kultur- und Medienmanagement. Medienpartner: kulturradio vom rbb

Hugues Dufourt / Foto: Astrid Karger Juan Felipe Waller Hugues Dufourt in der Probe Uz Azer, Stimme & Sitar Ying-Chieh Wang Alexandre Babel Probe James Saunders